Lavaterzimmer – Bahnen, Spuren, Profile 1

Hotel Rigihof, 10. - 24. März 2006

   

Über die Umkehrung von Bertillon's Signalementslehre in ein Selbst-Beschreibungs-Interview zum Generieren eines neuen Phantombilds seiner selbst.


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Während 15 Tagen stellt das Hotel Rigihof das dem Zürcher Johann Caspar Lavater gewidmete Zimmer 202 für ein Kunstprojekt zur Verfügungen. In dessen Rahmen möchte Fabian Voegeli dem Thema der Selbstbeschreibung und -bebilderung nachgehen.

In den 1770er Jahren lieferte Johann Caspar Lavater "mit seinen Physiognomischen Fragmenten [...] die beredte Grundlage für eine schwärmerische Erkenntnis der Menschen, die das Unsichtbare aus dem Sichtbaren herzuleiten suchte. Er versuchte wiederkehrende Merkmale nach dem Vorbild unserer Sprache in eine Art Alphabet zu fassen, das die 'wissenschaftliche' Beschreibung der Menschen nach charakterlichen und moralischen Qualitäten erlaubt." (Holger Nowak in 'Johan Caspar Lavater. Die Signatur der Seele', 2001, Städtische Museen Jena.)
Solche Verfahren zur Beschreibung von Menschen können als Konstituierung des Subjekts gesehen werden. Das "Beschreiben" kann wörtlich verstanden werden: es geht primär nicht darum, losgelöste Charakteristiken herauszulesen, sondern um das Bilden eines Selbsts, das und auf das geschrieben werden kann.
Eine so vor sich gehende Konstituierung des Subjekts wird einerseits - gerade in der kriminologischen Anwendung - als Regierungstechnik verwendet, kann andererseits aber auch als Selbsttechnik gesehen werden, mittels derer es seiner bewusst handelbar wird.

Anders gesagt: das Lavaterzimmer dient während des Projekts der Untersuchung der Frage, ob Kategorienbildung wahrnehmbar gemacht werden kann. Die Projektdauer wird zeitlich in kleinere Blöcke unterteilt, die spezifischeren Themen gewidmet sind. Einer davon der Bertillonage, ein von Alphonse Bertillon um 1880 entwickeltes anthropometrisches System zur Identifizierung von Personen.

BesucherInnen sind eingeladen, sich während einer Sitzung unter Anleitung mithilfe von Bildgebungsverfahren wie der Bertillonage selber zu beschreiben. Daraus resultiert ein Phantombild und vielleicht das Wissen, wie man selber formatiert (wird).

Das Projekt findet statt vom 10. bis 24. März.
Die Anmeldung für eine oben beschriebene Sitzung im Lavaterzimmer läuft über E-Mail: lavaterzimmer@snm-hgkz.ch
Melden Sie sich jetzt an!

Weiter Projektdaten, Termine der thematischen Blöcke und kleinen Veranstaltungen werden kurz vor Projektbeginn aufgeschaltet unter: http://lavaterzimmer.snm-hgkz.ch

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Projektadresse:
Lavater-Zimmer 202, Hotel Rigihof Zürich, Universitätstrasse 101, 8033 Zürich.
Bus 33 bis 'Seilbahn Rigiblick' oder Tram 9/10 bis 'Winkelriedstrasse'.

Kontakt und Anmeldung: lavaterzimmer@snm-hgkz.ch

Infos zu Hotel, Lage usw.: http://www.hotel-rigihof.ch
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Fabian Voegeli studiert seit 2002 am Studienbereich Neue Medien der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich. Das Projekt Lavaterzimmer ist angegliedert an ein selbstständiges Semesterprojekt und wird von Dozierenden mentoriert.
http://www.snm-hgkz.ch
http://www.hgkz.ch

Vergangene Anlässe

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Fr. 24.3. 16 Uhr:
Sütterlin-Schreiben. Workshop-haftes Erlernen. Deutsche Schreibschrift aus Beamtenstuben und Schulzimmern des frühen 20. Jahrhunderts.

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Do. 23.3. 17.30 Uhr:
Sarasin zu Foucault.
Philipp Sarasin, Prof. für Neuere Allgemeine Geschichte an der Universität Zürich und Autor von 'Michel Foucault zur Einführung' (Junius, 2005) spricht über «Selbsttechniken bei Foucault».
MP3: Vortrag, Diskussion.

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Di. 21.3. 10.00-11.30 Uhr:
Praxis der Modernen Meditation. In kleiner Gruppe. Geleitet von Andreas Ruch. «Moderne Meditation ist ein wesentliches Mittel [...] um Zeit aufzulösen. In dieser Stille tritt das "Ich" in den Hintergrund und der Raum der Qualitäten entfaltet sich.»

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Do. 16. - Sa. 18.3. (Zeitpunkt nach Vereinbarung):
Selbst-Beschreibung nach Alphonse Bertillon's Signalementslehre: sein eigenes Phantombild generieren.
Gallerie der Phantombilder >

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10.3. 20.15h:
Eröffnung mit TV-Serien Profiler, Pretender und CSI

Neuigkeiten

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Orakelraum – Bahnen, Spuren, Profile 2, das Folgeprojekt von Lavaterzimmer, vom 30. Juni bis 13. Juli 2006 im Toni-Areal, Zürich.
28.6.06

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Projekt-Präsentation am dorkbotswiss meeting in Basel.
25.5.06

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Interview zum Projekt im Info LoRa vom 16.3.06: RealAudio-Tonaufnahme.
5.5.06

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Sarasin zu Foucault: MP3-Tonaufnahmen vom Vortrag Sarasin's zu «Selbsttechniken bei Foucault» und der anschliessenden Diskussion.
3.5.06

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19 Phantombilder der Selbst-Beschreibungen nach Bertillon's Signalementslehre jetzt online.
23.3.06