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Lavaterzimmer
Hotel Rigihof, 10. - 24. März 2006 |
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10.3.2006, 20.15h: Profiler, Pretender, CSI
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Eröffnung des Lavaterzimmer's: Open-end TV-Serien Profiler, Pretender und CSI.
Projektion auf Leinwand. "Am Laufmeter".
Einladung, um sich ab 20.15 Uhr bis spätnachts mittels populärer Kriminalistik-Serien aus den USA auf's Thema Verbrecher und Selbst-Beschreibung einzustimmen.
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Zu den Serien:
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Profiler Die Fernsehserie Profiler wird in den USA zwischen 1996 und 2000 produziert.
"Ein Profiler erstellt Täterprofile. Die Tätigkeit bezeichnet man als profiling oder operative Fallanalyse. Dabei erstellt der Profiler ein charakteristisches
Erscheinungs- und Persönlichkeitsbild eines unbekannten Straftäters anhand von
Indizien, Spuren am Tatort und den Umständen der Straftat. Die Begriffe Profiler
und Profiling leiten sich von Profil, franz. Umriss, Seitenansicht und von italien. profilo, profilare = umreißen ab." [1]
Die Protagonistin, eine Profilerin im Dienste des FBI, besitzt die orakelhafte
Fähigkeit, den Hergang eines Verbrechens sowohl aus der Sicht des Täters als auch des Opfers bildlich vor sich zu sehen. Die Offenbarungen kommen teilweise auch unkontrolliert über sie.
Die Serie steht für eine im 20. Jahrhundert stattfindende Verlagerung des Fokus bei der Beschreibung von Verbrechern. Weg von den körperlichen bzw. physiognomischen Charakterisierungen hin zur Einordnung in soziale Kriterien. "Wohnt bei den Eltern", "Einzelgänger", "In schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen" sind bevorzugte Charakterisierungsweisen der heutigen Profilerin. (Den Zusammenhang zu psychologisierenden Zuschreibungen wie "wild", "verrückt" und "wahnsinnig", die Hand in Hand mit der Physiognomik Lombroso's etc. gingen, sind hier zwar angetönt, jedoch nicht weiter augearbeitet. Eine interessante Frage dabei ist, ob Lombroso's "geborener Verbrecher" nach wie vor - beispielsweise über den "Antisozialen, nicht in die Gesellschaft Integrierbaren" präsent ist.)
Der primäre Zweck des Profilers ist die Identifikation eines Individuums und nicht unbedingt das Etablieren neuer Typen: Äquivalent zu "Galton generalisierte, Bertillon individualisierte" [2]. |
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Pretender
Gleichzeitig läuft die Serie Pretender. Ich lese sie als eine Art ergänzenden, narrativen Gegenpol zu Profiler: Der von einer Geheimorganisation verfolgte Pretender kann so tun, als sei er - "to pretend to". Er kann beliebige gesellschaftliche (aber nur solche!) Identitäten (Arzt, Pilot, Fensterputzer, ...) annehmen und diese gemäss ihren verallgemeinerten Vorstellungen/Erwartungen ausführen.
Die eigene Suche nach des Protagonisten "wahren Identität" ist elementarer Bestandteil der Geschichte. Sie kommt immer wieder Bruchstückhaft zum Vorschein. Es muss scheinbar etwas anderes geben, als die gesellschaftlichen Rollen, wobei der Pretender bei deren Ausübung nicht unglücklich wirkt. |
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CSI (Crime Scene Investigation)
Noch etwas anders einzuordnen ist die nach Profiler (also von 2000 bis 2004) gedrehte Serie CSI Las Vegas mit ihren Spin-offs CSI Miami (2002) und CSI New York (2004).
CSI steht für "Crime Scene Investigation", was für die Spurensicherung am Tatort und der folgenden kriminalistischen Untersuchung dieser im Labor steht.
Hier steht die Überlegenheit der Technologie im Mittelpunkt: Die kompetenten
LaborantInnen wissen, wann sie welche Maschine füttern müssen, um einen offenbarenden Output zu erhalten. Es geht um die Spuren, die bei Verbrechen zurückbleiben, nicht um die psychische oder soziale Verfasstheit des Täters, sondern um dessen individuelle "Identität". Es geht also um das Herauslösen einer Einzelperson und nicht in das Einordnen in eine Gruppe wie bei der Physiognomik. Allerdings lässt sich Identifikation und Typisierung/Pattern-Bildung nicht trennen. Schon über die Gesten, die Verdächtige erleben, sind sie miteinander verbunden: vermessen wird sowohl der Typisierte wie der Individualisierte. Die Techniken sind vergleichbar und
vermutlich gehen die beiden Hand in Hand einher, denn die Mitglieder eines Typs
müssen - zumindest in einer Disziplinierungsgesellschaft - durchaus auch konkret als solche identifiziert werden, damit sie zuteilbar werden. Und umgekehrt werden Typen erst durch das Vermessen/Identifizieren von (mehreren) Individuen konstruierbar: Gemeinsamkeiten bilden.
Dass heute bei der Kriminalpolizei Zürich entstehende Phantombilder nur aus dem Bestand von schon strafrechtlich registrierten und somit vermessenen Personen zusammengesetzt sind, liesse sich als konkrete Konstruktion eines geschlossenen Typussystems "Verbrecher" lesen. |
Zumindest im deutschen Sprachraum laufen die TV-Serien zum Teil gleichzeitig.
NZZ-Artikel vom 10.3.06 zu "unkonventionellen US-Serien". |
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Quellen
- http://de.wikipedia.org/wiki/Profiler_(Kriminalistik), 14.2.2006
- Christian Semler, Von der Datenfresssucht, TAZ, 2.11.2001
http://www.taz.de/pt/2001/11/02/a0153.1/text
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--- Weiter Projektdaten, Termine der thematischen Blöcke und kleinen Veranstaltungen werden kurz vor Projektbeginn aufgeschaltet unter: http://lavaterzimmer.snm-hgkz.ch
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Projektadresse:
Lavater Zimmer 202, Hotel Rigihof Zürich, Universitätstrasse 101, 8033 Zürich
Kontakt: lavaterzimmer@snm-hgkz.ch
Infos zu Hotel, Lage usw.: http://www.hotel-rigihof.ch
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